Ich arbeite in einem Freibad. Im Sommer bin ich hauptsächlich als Bade meister tätig. Im Frühjahr und im Herbst mache ich vermehrt Unterhaltsarbeiten. Im Winter arbeite ich nicht. Dieses Jahr hatten wir wetterbedingt eine schlechte Saison. Mein Chef ordnete deshalb im Herbst kurzfristig an, dass ich drei Wochen Ferien nehmen müsse. Die Minusstunden, die dadurch entstanden, solle ich zu einem späteren Zeitpunkt kompensieren, indem ich mehr arbeite. Er meint, das Jahresarbeitszeitmodell, nach dem ich angestellt bin, gebe ihm das Recht, das so anzuordnen. Stimmt das?

WOSSEN AREGAY: Nein. Es ist nicht zulässig, wenn Ihr Chef Ihnen quasi in letzter Minute bekanntgibt, dass Sie in Kürze Ferien beziehen müssten. In diesem Fall haben Sie das Recht, den Bezug der Ferien zu verweigern. Solange Sie Ihrem Arbeitgeber zur Verfügung stehen und ihm Ihre Arbeit anbieten, liegt es an ihm, Sie in dieser Zeit zu beschäftigen oder nicht. Diese Zeit gilt als bezahlte Arbeitszeit. Sie haben deswegen nicht weniger Ferientage. Daran ändert auch ein Jahresarbeitszeitmodell nichts. Dieses gibt Ihrem Chef zwar das Recht, Ihre Arbeitszeit über das Jahr hinweg zu planen. Und zwar so, dass vorhersehbare saisonale Schwankungen, wie sie zum Beispiel in einem Freibad vorkommen, aufgefangen werden. Am Ende des Jahres müssen Sie einfach auf die Anzahl Jahresstunden kommen, die in Ihrem Vertrag steht. Die Arbeitszeitplanung für das Jahr muss Ihnen aber lange im voraus bekannt sein. Der Chef kann sie nicht kurzfristig ändern. Auch wenn letztlich also Ihr Arbeitgeber bestimmt, wann Sie Ihre Ferien im Verlaufe des Jahres beziehen: Bedingung dafür ist, dass er die Ferien frühzeitig anordnet. Üblich ist eine Frist von drei Monaten im voraus.

work, 19.01.2017