Wir leben in Zeiten dramatischer Veränderungen. Wirtschaftlich, technologisch und politisch. Es kann nicht schaden, wenn wir uns ein paar Grössenordnungen und Entwicklungen merken.
> Wirtschaftliche Vergleiche zwischen Ländern erfolgen sinnvollerweise jeweils kaufkraftbereinigt. Genauso wie die Vergleiche zwischen den Pro-Kopf-Einkommen der verschiedenen Länder. Denn entscheidend ist, was sich Haushalte und Unternehmen mit dem ihnen zur Verfügung stehenden Geld vor Ort kaufen können.
> China ist daran, die USA kaufkraftbereinigt als stärkste Volkswirtschaft der Welt zu überholen. Das Pro-Kopf-Einkommen in China ist nächstens bereits halb so hoch wie jenes in der EU. Wer hätte das vor 20 Jahren gedacht?
> Deutschland und China exportieren viel mehr, als sie importieren. Genau gleich wie die Schweiz. Das kann und wird auf die Dauer nicht gutgehen. Die USA kaufen zu viele chinesische Güter. China pumpt den USA das notwendige Geld, damit sie die chinesischen Waren auch bezahlen können. Wer hat auf Dauer mehr Probleme: der Schuldner oder der Gläubiger? Oder beide zusammen? Beide zusammen!
> Der neue US-Präsident Donald Trump will dies korrigieren. Wir nehmen ihn nur als Pausenclown wahr. Vermutlich zu Unrecht. Die neue Regierung wird früher oder später den Dollar abwerten. Und somit ihre Schulden vernichten. Deshalb werden die Zinsen real nicht steigen. Das haben die USA schon nach dem Vietnamkrieg so gemacht. Erst wenn das nicht funktioniert, beginnt der eigentliche Handelskrieg.
> Was wir leicht vergessen: Selbst die Regeln der Welthandelsorganisation WTO erlauben es allen, die zu viel importieren, gegen jene vorzugehen, die zu viel exportieren.
> Die Preise für Photovoltaikzellen fallen immer tiefer in den Keller. Die Produktion pro Jahr ist auf eine neu installierte Leistung von mehr als 100 Gigawatt angestiegen. Der Grossteil davon wird in China produziert.
> China will der Elektromobilität zum Durchbruch verhelfen. Schneller als alle anderen industrialisierten Länder. Norwegen ausgenommen.
> Die Schweiz will die Steuern für Unternehmen senken. Dank SVP-Finanzminister Ueli Maurers Trickkiste. Dies ohne Kompensationen für die Kassen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Trump will das Gleiche in den USA machen. Die Spirale dreht sich diesseits und jenseits des Atlantiks in die falsche Richtung. Die Reichen und Superreichen werden reicher. Der Rest muss nehmen, was übrigbleibt.

Schwierige Prognosen. Wird die Schweiz unter dem Trump-Radar hindurchfliegen? Eher nicht. Denn Trump setzt auch die Pharmaunternehmen Roche und Novartis unter Druck. Damit diese beiden Konzerne mehr Arbeitsplätze nach Amerika verlagern. Das wird den Standort Schweiz schwächen. Und ist letztlich dem Basler Taig so lang wie breit. Denn beim Geldverdienen gilt für die Multis und die Erben der Gründer der Grundsatz: national, international, furzegal.
China versucht richtigerweise, seine Binnenmarktnachfrage zu stärken, um so die Erträge aus sinkenden Exporten zu kompensieren. Deutschland beginnt erst langsam, den Ernst der neuen Ausgangslage zu begreifen. Und in der Schweiz hat das Nachdenken noch gar nicht begonnen.

Prognosen sind schwierig. Trotzdem scheinen folgende Entwicklungen wahrscheinlich: Die Schweiz wird tendenziell weniger als bisher exportieren können. Die Schweiz wird tendenziell mehr importieren müssen. Die Handelsbilanzüberschüsse werden deshalb tendenziell sinken. Wie sieht eine linke Wirtschaftspolitik aus, die den sich absehbar verändernden Rahmenbedingungen Rechnung trägt? Gibt es sinnvolle Beschäftigungen abseits des Modells Taubenschlag für das Kapital? Wirtschaftlich, technisch und politisch? Der Weg in eine rosa Zukunft ist kein Sonntagsspaziergang. Trotzdem allen verspätet ein gutes neues Jahr.

work, 19.01.2017