Die Schweiz hat nicht nur die längste Wochenarbeitszeit in Europa. Wir müssen auch während des ganzen Lebens am längsten arbeiten. Mit 42,5 Jahren liegt die Schweizer Lebensarbeitszeit sieben Jahre über dem Durchschnitt der EU-Länder und fast 12 (!) Jahre über derjenigen in Italien. Nur die Isländerinnen und Isländer arbeiten noch länger. Das einzige EU-Land, das es neben der Schweiz noch auf über 40 Arbeitsjahre bringt, ist Schweden.

MEHR ARBEITEN. Auch beim Total der geleisteten Lebensarbeitsstunden schneidet die Schweiz gut ab. Hier liegen die fl eissigen Schweizer Erwerbstätigen mit 66 640 Stunden knapp hinter den Esten, Portugiesinnen und Letten in der Spitzengruppe. Nur die Isländerinnen und Isländer arbeiten mit über 80 000 Stunden in ihrem Leben bedeutend mehr. Rechtsparteien und Arbeitgeber möchten in der Schweiz das Rentenalter erhöhen, auf 67 oder mehr Jahre. Dazu gibt es keinen Grund. Die Erwerbstätigen in der Schweiz arbeiten jetzt schon am längsten in Europa. Zudem hat sich die Lebensarbeitszeit in den letzten 10 Jahren deutlich erhöht.
In Zusammenhang mit der Forderung nach einem höheren Pensionsalter wird immer mit der steigenden Lebenserwartung der Menschen argumentiert. Niemand spricht aber davon, dass gleichzeitig auch die Lebensarbeitszeit gestiegen ist. In Europa wird heute im Durchschnitt fast zwei Jahre länger gearbeitet, als es noch vor 10 Jahren der Fall war. In der Schweiz sind es sogar zweieinhalb Jahre mehr – und dies ohne eine Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters.

GESTIEGEN. In den meisten Ländern hat sich die Lebensarbeitszeit bei den Frauen deutlich mehr erhöht als bei den Männern. In der Schweiz gehen die Frauen heute 3,3 Jahre länger einer Erwerbstätigkeit nach als 2005. Bei den Männern sind es 1,6 Jahre mehr. Die Frauen haben damit die Männer bei der Lebensarbeitszeit fast eingeholt, sie sind jetzt in der Schweiz auch über 40 Jahre erwerbstätig, während es im Jahr 2005 erst 36,8 Jahre waren.


Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

work, 15.12.2016