Ferien machen glücklich. Aber nicht nur. Vor allem dann nicht, wenn sie vorbei sind. Forscherinnen und Forscher haben herausgefunden, dass das ganze Glücksund Erholungsgefühl nur eine Woche nach den Ferien schon verflogen sein kann. Der holländische Tourismusforscher Jeroen Nawijn hat dazu eine «Ferienglückskurve» ermittelt. Die zeigt: Erst nach ein paar Tagen Ferien werden wir glücklich. Das Gefühl nimmt für einige Tage, gar Wochen stetig zu. Doch schon in den letzten Ferientagen, kurz bevor es wieder an die Arbeit geht, nimmt es wieder ab.
Die Studie einer finnischen Universität kommt zu ähnlichen Ergebnissen: Am achten Ferientag ist das Feriengefühl am grössten. Die Rückkehr an den Arbeitsplatz aber kann derart belastend sein, dass viele nach nur einer Woche zurück im Job wieder genauso gestresst sind wie vor den Ferien.
Dieses Phänomen nennt sich «Post- Holiday-Depression», eine Depression nach den Ferien also. Rund zwei Drittel aller Angestellten sollen daran leiden. Wir verreisen also, um uns von der Arbeit zu erholen, brauchen aber über eine Woche, um die Ferien wirklich geniessen zu können. Und nach unserer Rückkehr sind wir nicht nur genauso gestresst wie vor der Abreise – wir haben auch noch Anzeichen einer depressiven Verstimmung. Lohnen sich Ferien da überhaupt? Die Antwort lautet klar Ja. Wer arbeitet, soll auch immer wieder Pause machen können. Diese arbeitsfreie Zeit ist auch aus Gründen des Gesundheitsschutzes notwendig. Ob Sie verreisen wollen, ist Ihnen überlassen. Damit Sie sich aber richtig erholen können und nach den freien Tagen nicht in ein Loch fallen, sollten Sie folgende Tipps beherzigen – vor, während und nach den Ferien:

RUHIGER SCHLUSSSPURT
Versuchen Sie nicht, alle Ihre laufenden Projekte und offenen Pendenzen noch vor den Ferien abzuschliessen. Denn je grösser Ihr Stress vor der Abreise ist, desto länger brauchen Sie in den Ferien, um davon loszukommen. Konzentrieren Sie sich auf das Dringende und Wichtigste. Informieren Sie Ihre Arbeitskolleginnen und -kollegen, was erledigt und was noch offen ist. Damit Sie nicht gestört werden, teilen Sie mit, wo Sie die entsprechenden Unterlagen abgelegt haben.

ABSCHALTEN
Die meisten Vorgesetzten akzeptieren es, wenn Sie in Ihrer Abwesenheit nicht erreichbar sind. Und darauf haben Sie auch Anrecht. Lassen Sie die Arbeit zu Hause, wenn Sie verreisen. Schalten Sie für Ihr E-Mail-Konto eine Abwesenheitsmeldung auf mit den Kontaktangaben Ihrer Stellvertretung. Und löschen Sie den Zugang zu den Geschäftsmails von Ihrem Handy. Am besten schalten Sie das Telefon ganz aus und den Anrufbeantworter ein. Am Strand entspannen Sie sich besser mit einem Roman oder einem Krimi – den aktuellen Geschäftsbericht oder Fachliteratur sollten Sie zu Hause lassen.

ZWEI WOCHEN
Wenn die Forschung recht hat und wir am achten Ferientag am glücklichsten sind, dann sollten Sie an diesem Tag auch in den Ferien sein. Das heisst: Nehmen Sie längere Ferien. Im Gesetz steht: Jedes Jahr dürfen Sie mindestens zwei Wochen Ferien am Stück beziehen. Darauf können Sie bestehen, auch wenn Ihre Chefin oder Ihr Chef meint: «Die Ferien bestimme ich!» Das gilt nämlich nur für den Zeitpunkt. Niemand darf Sie zwingen, Ihre Ferien nur in Form einzelner Wochen oder gar Tage zu beziehen.
Ausserdem: Sie steigen in Hawaii ins Flugzeug nach Hause, und kaum angekommen, fahren Sie bereits schon ins Geschäft? Das ist eine schlechte Idee. Nach einem langen Flug sind Sie wahrscheinlich übermüdet und leiden unter Jetlag. Nehmen Sie sich genügend Zeit, um daheim anzukommen, einmal gut auszuschlafen und den Koffer auszupacken. Sonst geraten Sie direkt in eine Stresssituation.

STIMMT DER JOB?
Wenn Sie beim Gedanken an den ersten Arbeitstag in Panik geraten, muss das nicht unbedingt nur mit dem Ende der Ferien zu tun haben. Es kann auch sein, dass Sie allgemein nicht ganz glücklich sind in Ihrem Job. Machen Sie sich in diesem Fall Gedanken, ob eine Weiterbildung oder ein Stellenwechsel für Sie sinnvoll sein könnten.

GESUND VERREISEN
Wer krank wird in den Ferien, kann sie verschieben oder die im Bett verbrachten Tage als Freitage nachholen. Es gibt nämlich nicht nur eine Arbeitsunfähigkeit, sondern auch eine «Ferienunfähigkeit». Erkranken Sie kurz vor oder auch während der Ferien, dann sollten Sie sofort ein Arztzeugnis verlangen und Ihren Vorgesetzen abgeben.

ERST AM MITTWOCH
Verkürzen Sie nach Möglichkeit Ihre erste Arbeitswoche, gehen Sie zum Beispiel erst am Mittwoch zur Arbeit, dann hält das Feriengefühl länger an.

work, 18.08.2016