Wer in der Nacht arbeitet, stellt das Leben komplett um: Man legt sich schlafen, wenn draussen die Sonne aufgeht, und liegt noch im Bett, wenn die Kinder von der Schule heimkommen. Frühstück gibt es mitten am Tag, die Hausarbeit erledigt man vor dem Arbeitstag. Und wenn die Freundinnen und Freunde aus dem Kino kommen, ist gerade Znünipause in der Firma.

Gesundheit

Solche Arbeitszeiten wirken sich nicht nur auf das Sozialleben aus. Auch der Körper spürt die Folgen. Schichtarbeitende haben häufiger als andere mit Müdigkeit, Schlafstörungen und Depressionen zu kämpfen. Ausserdem leiden sie überdurchschnittlich oft an Herz-Kreislauf-Problemen oder Verdauungsstörungen. Wenn Sie ständig Nachtschichten leisten, nimmt Ihre Leistungsfähigkeit stetig ab. Ihre Konzentration schwindet, und Ihr Körper reagiert langsamer. Dadurch steigt die Gefahr für Unfälle am Arbeitsplatz und im Privatleben. Arbeitsmediziner und auch das Staatsekretariat für Wirtschaft (Seco) empfehlen deshalb, nicht mehr als vier Nachtschichten nacheinander zu leisten.

Rotation

Betriebe können Nebenwirkungen der Nachtarbeit vorbeugen, indem sie die Schichten rotieren und ihre Angestellten abwechslungsweise in der Früh-, der Spät- und der Nachtschicht arbeiten lassen. Genau diese Reihenfolge ist ideal, weil sie im Uhrzeigersinn verläuft. Damit bleiben auch die Ruhezeiten zwischen den Schichten gross genug. Ausnahmen gibt es nur, wenn sich Arbeitnehmende eine sogenannte Rückwärtsrotation wünschen. So steht es in der entsprechenden Verordnung zum Arbeitsgesetz. Diese Verordnung sieht insgesamt vierzehn Empfehlungen für Schichtpläne vor: unter anderem freie Wochenenden, einen möglichst späten Start der Frühschicht und dass die Schichtpläne so früh wie möglich bekanntgegeben werden. Die komplette Liste finden Sie hier: https://goo.gl/U7BLiC.

Ernährung

Wer Schicht arbeitet, sollte auch selbst für die eigene Gesundheit sorgen, zum Beispiel mit einer gesunden, den Arbeitszeiten angepassten Ernährung. Nachts kann der Körper nämlich weniger gut verdauen als am Tag. Umso wichtiger sind fixe Essenszeiten. Bei einem Einsatz in der Frühschicht nehmen Sie am Vormittag eine Zwischenmahlzeit und die Hauptmahlzeit am Mittag. In der Spätschicht ist es am besten, wenn Sie am Nachmittag eine Zwischenmahlzeit und am Abend eine kalte, leichte Mahlzeit zu sich nehmen. Und in der Nachtschicht sollten Sie zwei kleinere Nachtmahlzeiten planen: ein grösseres, warmes Essen um Mitternacht und eine Zwischenmahlzeit gegen vier Uhr am Morgen. Nach der Schicht können Sie frühstücken, vor der Schicht ein kleines Abendessen nehmen. Damit vermeiden Sie das Energietief, das die meisten, die nachts arbeiten, um drei Uhr morgens verspüren. Für die Zwischenmahlzeiten eignen sich Früchte und Salate, fettarme Fleisch- und Fischsorten, Milchprodukte, Gerichte mit Eiern wie Rühreier oder Omeletten. Ausserdem Dampfkartoffeln, Teigwaren, Reis sowie Vollkornprodukte. Alles in entsprechend kleineren Portionen.

Schlaf

Viele Schichtarbeitende schlafen nicht gut ein. Am besten gehen Sie nach dem Heimkommen trotzdem so schnell wie möglich ins Bett. Dunkeln Sie das Zimmer komplett ab, schalten Sie die Türklingel und Ihr Telefon aus. Weil Tagesschlaf weniger erholsam ist als der Schlaf in der Nacht, haben viele Schichtarbeitende ein Schlafmanko. Sie können versuchen, dieses aufzuholen, indem Sie so oft wie möglich ausschlafen. Sollten sich Ihre Schlafstörungen dadurch nicht bessern, können Sie sich medizinisch beraten lassen. Bei der Schweizerischen Gesellschaft für Schlafforschung, Schlafmedizin und Chronobiologie (welche die «innere Uhr» erforscht) finden Sie eine Liste der anerkannten Schlaflabore: http://goo.gl/nTwdCN. Einige Kliniken bieten auch spezielle Schlafberatungen für Personen an, die Schicht arbeiten.

Konzentration

Durch Schichtarbeit entstehen nicht nur Schlafprobleme. Es kann sein, dass Sie dadurch auch Mühe haben, bei der Arbeit wach und konzentriert zu bleiben. Mit künstlichem Licht können Sie diese Müdigkeit besser überwinden. Beispielsweise indem sie die Arbeitsräume ab drei Uhr morgens heller beleuchten. Auch häufige Pausen können helfen oder auch ein kurzes Schläfchen im Ruheraum. Diese Powernaps sind meist eine Sache der Übung. Am Anfang sollten Sie unbedingt einen Wecker stellen, so dass Sie nicht in den Tiefschlaf fallen und nach dem Aufwachen noch müder sind als zuvor. Die erste Tiefschlafphase beginnt meistens rund 30 Minuten nach dem Einschlafen, die erholsamsten Nickerchen dauern also höchstens 20 Minuten.

NACHTARBEIT: DAS STEHT IM GESETZ

Nachtarbeit ist grundsätzlich verboten. Wo sie ausnahmsweise bewilligt wird, müssen die Arbeitgeber ihr Möglichstes tun, um negative Folgen zu vermeiden. Im Gesetz steht Folgendes zur Nachtarbeit:

    • ˜Zwischen 23 und 6 Uhr ist die Arbeit grundsätzlich nicht erlaubt, ausser die Betriebe haben dafür eine Bewilligung. Ausnahmen gibt es für Berufe, in denen die Arbeit nicht anders erledigt werden kann, beispielsweise im Gesundheitswesen oder in einer Bäckerei.
    • Für vorübergehende Nachtarbeit (weniger als 25 Nächte pro Kalenderjahr) haben Sie ab 23 Uhr Anspruch auf einen Lohnzuschlag von mindestens 25 Prozent. Bei regelmässiger Nachtarbeit hingegen erhalten Sie eine sogenannte Ausgleichsruhezeit von 10 Prozent der Nachtarbeitszeit als Kompensation. Da auch das im Gesetz steht, kann diese Kompensation in einem Arbeitsvertrag nicht reduziert werden.
    • ˜Die Firma muss Ihnen, getrennt vom Arbeitsplatz, einen ruhigen Raum für Ihre Mahlzeiten zur Verfügung stellen. Falls Sie auch während der Pausen am Arbeitsplatz bleiben müssen, haben Sie Anspruch auf eine Sitzgelegenheit.




  • work, 17.06.2016