Ein Liter Heizöl kostet (ohne Steuern und Abgaben) heute auf dem Markt um die 80 Rappen. Pro Kilo Heizöl, das wir verbrennen, heizen wir das Klima mit 2,7 Kilo Kohlendioxid auf.
Wer der Luft dieses Kohlendioxid mittels Filtern entzieht, kann synthetisches Methan, Heizöl, Benzin oder Kerosin herstellen. Und hat so neue Treibstoffe zur Verfügung, deren Produktion weitgehend klimaneutral ist.
In der Theorie ist dies schon lange bekannt. In der Praxis funktioniert das auch, aber bisher nicht zu vernünftigen Preisen.

HEISS BEGEHRT. Climeworks ist ein Schweizer Start-up, das eng mit der ETH Zürich und der Materialprüfungs- und Forschungsanstalt EMPA zusammenarbeitet. Finanziell gefördert wurde das Projekt in der Startphase durch die Geberit-Rüf-Stiftung und Eurostarts. Inzwischen haben Privatpersonen und die Zürcher Kantonalbank Geld in das Unternehmen gesteckt. Mama und Papa Staat waren die zentralen Geburtshelfer.
Das neue Verfahren funktioniert vereinfacht wie folgt:
> Die Maschine saugt Luft an. Und mit der Luft unweigerlich das heissbegehrte Kohlendioxid.
> Während dreier Stunden wird der Luft mittels Filtern aus Zellstoffgranulat das Kohlendioxid (CO2) entzogen.
> Sobald die Filter gesättigt sind, wird die Luftzufuhr gestoppt und alles auf 90 Grad erwärmt. Die Maschine scheidet fast reines Kohlendioxid ab. Und der Prozess beginnt von neuem.
> Das so abgeschiedene CO2 kann zu verschiedenen Produkten weiterverarbeitet werden.
> Nur alle vier Jahre braucht die Maschine neue Filter.
Jetzt steigen Private ein. So sucht Audi, eine Tochter des immer noch staatlich mitkontrollierten VW-Konzerns, die Zusammenarbeit mit Climeworks. Dies, weil es mittelfristig denkbar scheint, dass die Maschinen von Climeworks 1000 Kilo CO2 zum Preis von 100 Franken aus der Luft rauskitzeln können. Dazu kommen die Kosten für die Methanisierungsanlage. Realistisch ist ein Preis von 10 Rappen pro Kilowattstunde.

GUTE ARGUMENTE. Folgende Vorteile haben die Manager von Audi überzeugt:
> Wenn die Sache mit dem Methan aus CO2 funktioniert, braucht es keine neuen Motoren für die Audi-Schlitten.
> Im Gegensatz zur Elektromobilität muss auch niemand ein neues elektrisches Versorgungsnetz aufbauen.
> Verwertbare Energie wird dort produziert, wo sie absehbar verbraucht wird.
> Die Climeworks-Maschinen machen nicht mehr Lärm als normale Lüftungsanlagen, denen sie von aussen auch gleichen.
> Im Gegensatz zu Biotreibstoffen aus Nutzpflanzen werden der Nahrungsmittelproduktion keine Rohstoffe entzogen.
> Im Gegensatz zu Windkraftwerken und Photovoltaikanlagen produzieren die Schweizer CO2-Kistchen erstens das ganze Jahr Treibstoff, und zweitens kann man synthetische Treibstoffe erst noch speichern.
Ökologischer Umbau bedeutet Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Ideen und Technologien. Gewinnen wird das Rennen, wer mittelfristig die ökologisch und ökonomisch beste Lösung auf den Markt bringt. Heute hat die Produktion von Strom aus Wind und Sonne die Nase weit vorn. Übermorgen sieht es vielleicht schon anders aus: dank Schweizer Hochschulen und Forschungsanstalten der Spitzenklasse. Früher hiess es: Probieren geht über Studieren. Heute gilt: Studieren und Probieren sind keine Gegensätze. Sondern Bestandteil eines technischen Fortschritts, der uns von einer rosa Zukunft träumen lässt.


> http://goo.gl/OC3VRA Audi ist stolz auf seine Zusammenarbeit mit Climeworks. Umso mehr, als das Start-up zu den 11 Finalisten gehört, die am Klimawettbewerb «Virgin Earth Challenge» teilnehmen, der von US-Unternehmer Richard Branson und US-Politiker Al Gore initiiert worden ist. Dem Sieger winken 25 Millionen Dollar. Logo: Branson besitzt mit Virgin eine Fluggesellschaft. Klimaneutraler Sprit würde eines der zentralen Probleme der Luftfahrt lösen.

> http://goo.gl/SVYYgx Toni Rütti berichtet in «ee news», einer Newsplattform für erneuerbare Energien, kompetent über das neue Projekt.

> http://www.climeworks.com Auf der Homepage des Herstellers finden wir neben viel Informationen und viel Optimismus auch weiterführende Erklärungen, wie das System Climeworks im Detail funktioniert.

work, 18.09.2014