Das Internet wurde in der Schweiz erfunden, genauer in Genf. Es hat uns und unsere Arbeitsweisen verändert. Wenn wir etwas nicht wissen, googeln wir. Mit doppeltem Effekt: Google entscheidet, welche Informationen zuerst angezeigt werden. Und kassiert Geld dafür. Google erstellt auf Basis unserer Anfragen und Klicks Profile von allen Wanderern im Internet. Deshalb ist die US-amerikanische Krake heute 100 Milliarden Franken wert.
Die Schweiz hat viel zu viele Strassen und Parkplätze. Trotzdem sind diese ständig verstopft oder besetzt. Der Grund ist einfach: Wir Menschen sind suboptimale Piloten. Und die Autos stehen 23 von 24 Stunden pro Tag unbenutzt in der Gegend herum. Um während der verbleibenden Stunde oft schlecht ausgelastet im Stau zu stehen.
Schuld an den Staus sind neuerdings die Ausländer und nicht das archaische Verkehrskonzept Auto. Selbst linke Politiker wie Ruedi Strahm wollen deshalb die Zuwanderung aus dem europäischen Raum mit einer unrealistischen Neuverhandlung der Bilateralen begrenzen. Wahrscheinlich geht es auch anders:
>Baustein 1: Autos können und müssen umweltfreundlicher werden. Der neue Renault Mégane Grandtour aus François Hollandes Frankreich säuft nur noch 3,5 Liter auf 100 Kilometer. Auf dem Papier. In der Praxis sind es, wie bei allen Autos, leicht mehr. Aber immerhin.
>Baustein 2: Immer mehr junge Menschen pfeifen auf das Auto. Sie machen nicht einmal mehr die Fahrprüfung. Stattdessen benutzen sie unter anderem Elektro- Bikes und öffentliche Verkehrsmittel. Das Status- und Sexsymbol Auto verliert an Bedeutung. Gut so.
>Baustein 3: Die derzeit noch bescheidene gemeinsame Nutzung einer allen zur Verfügung stehenden Auto-Fahrzeugflotte gewinnt an Boden. Wenn auch langsam.
Den ganz grossen Durchbruch wird aber erst das vollautomatische Roboterauto mit sich bringen:
>Vorteil 1: Die Zahl der Unfälle wird dramatisch sinken. Weil der Mensch die grösste Gefahrenquelle war, ist und bleibt. Er trinkt gern ein Glas zu viel, schminkt sich beim Fahren oder telefoniert mit seinem Handy. Schon ist es passiert. Nicht mehr, wenn das Auto ohne Fahrer sein Ziel sicher sucht und findet.
>Vorteil 2: Die gleiche Autobahn schluckt viermal mehr Autos, wenn diese vollautomatisiert im richtigen Abstand und somit im Windschatten des anderen schonend über die Fahrbahnen gleiten. Mehr Autos dank mehr Intelligenz statt mehr Beton.
>Vorteil 3: Die Zahl der Autos sinkt, wenn möglichst viele Autos jederzeit allen zur Verfügung stehen. Wer einen heissen oder nützlichen Schlitten braucht, ruft diesen mittels Handy vor Haus- oder Bürotür. Weniger Autos bewegen sich mehr. 75 Prozent der Parkplätze können begrünt werden oder dienen als Pingpongkeller.
Bisher war dies graue Theorie. Jetzt hat ausgerechnet Google den entscheidenden Durchbruch geschafft: Die hauseigene Abteilung für Motorfahrzeuge (DMV) erhielt im US-Bundesstaat Nevada die Zulassung, um mit dem vollautomatischen Google-Auto im Verkehr führerlos mitzufahren.
Wird die Revolution des Strassenverkehrs noch viel mehr Geld in die Kassen von Google spülen? Werden wir mit der Lösung des Pendlerproblems noch mehr von Google abhängig werden? Die Gefahr besteht. Und sie weckt auch Hoffnung. Die Dialektik ist nicht tot.


http://goo.gl/xNviV «Spiegel online» gewinnt an Boden. Das Papiermagazin verliert an Auflage. Noch ist der Onlinecontent gratis. «Spiegel» berichtet über das Google-Auto.

http://goo.gl/AadBI http://goo.gl/ggqZ6 und http://goo.gl/ZHlo4 Der Fernsehsender ABC stellt das Google-Auto vor (englisch). Google versucht, Ängstliche zu beruhigen: Man könne, müsse aber nicht dem System das Fahren überlassen. Und Google werde das Produkt nicht selbst auf den Markt bringen und verwerten. Denkste!

http://goo.gl/C3xIu Auch das Projekt «Sartre» der EU will aus dem Fahrer einen Passagier machen. Und dank Road Trains und Windschattenfahren 20 Prozent Energie sparen. «Sartre» hat heute leider nichts mehr mit Jean-Paul zu tun, sondern mit Safe Road Trains for Environment.

work, 24.05.2012