Ich habe mich bei der IV angemeldet, weil ich gesundheitliche Beschwerden habe und nur vermindert arbeitsfähig bin. Nachdem ich aus gesundheitlichen Gründen meine Stelle hatte kündigen müssen, habe ich mich beim RAV gemeldet. Jetzt bin ich seit vier Monaten arbeitslos und habe den IV-Entscheid erhalten: Ich habe keinen Anspruch auf eine IV-Rente, weil mein Invaliditätsgrad 19 Prozent beträgt. Nun hat die Arbeitslosenkasse mein Taggeld gekürzt, obwohl ich gar keine IV-Rente bekomme. Darf sie das?

TIMUR ÖZTÜRK: Ja. Wenn Sie dauernd in der Erwerbsfähigkeit eingeschränkt sind und sich darum bei der Invalidenversicherung angemeldet haben, bekommen Sie von der Arbeitslosenkasse nur anfangs die vollen Leistungen des versicherten Verdienstes. Dies, obwohl Sie aus gesundheitlichen Gründen nur eingeschränkt arbeits- und vermittlungsfähig sind. Sobald die IV aber über Ihren Invaliditätsgrad entschieden hat, endet diese sogenannte Vorleistungspfl icht. Der von der IV festgestellte Grad der Erwerbsunfähigkeit (der sogenannte Invaliditätsgrad), ist dann für die Beurteilung Ihrer Vermittlungsfähigkeit bindend. Auch wenn der Invaliditätsgrad von 19 Prozent keine IV-Rente begründet, gelten Sie bei der Arbeitslosenversicherung ab dem Zeitpunkt der Verfügung nur im Umfang von 81 Prozent als vermittlungsfähig. Deshalb wird Ihr versicherter Verdienst entsprechend der verbleibenden Erwerbsfähigkeit gekürzt – in Ihrem Fall auf 81 Prozent. Leider wird Ihnen keine Versicherung die 19 Prozent bezahlen.

work, 10.05.2012