Sind Männer Schweine? Vielleicht nicht alle, aber sicher immer noch viel zu viele. Essen Männer und Frauen zu viel Schweinefleisch? Aber sicher. Weniger wäre auch hier mehr. Am besten für Umwelt und Gesundheit ernährt sich der Mensch vegetarisch. Wer auf Fleisch nicht verzichten mag, isst mit Vorteil die Koteletts von halbwegs glücklichen Schweinen, die das Futter möglichst optimal verwerten.

DRÄNGELN BRINGT NICHTS. Wenig auf der Welt ist besser durchrationalisiert als die Produktion von Schweinen und somit die Produktion von Schweinefl eisch. Schweineställe werden heute besser gelüftet und klimatisiert als die Schweizer Schulzimmer. Weil für zu viele die Produktion von Schweinen wichtiger ist als die Produktion von Wissen.
Jetzt soll das Fressen und Gefressenwerden weiter rationalisiert und optimiert werden:

Schritt 1: Essen für Schweine gibt es immer in einer rund 12 000 Euro teuren Fressbox, in die nur ein Schwein hineinpasst. Jeweils in kleinen Portionen von 60 Gramm Kraftfutter. Pro Tag genau so viele Portionen pro Schwein, wie es für die optimale Produktion von Fleisch braucht. Rationelle Futterverwertung vom Feinsten.
Schritt 2: Jedes Schwein bekommt eine Ohrenmarke samt Chip. Nur mit der richtigen Ohrenmarke gibt es in der Fressbox auch Fresspäckli. Vordrängeln bringt nichts. Die Maschine erkennt die hinterlistigen Schweine.
Schritt 3: Jedes Tier bekommt einen deutschen Vornamen. Mit, wenn immer möglich, drei wohlklingenden Silben. Damit sich die jungen Schweine möglichst früh ihren Namen merken, dank entsprechender Dressur.

FRIEDLICHE SCHWEINE. Konkret läuft der Schweinealltag neu so ab: Der sprachgesteuerte Computer ruft den Namen «Hil – de – gard». Das gut konditionierte Schwein Hildegard weiss: jetzt bin ich an der Reihe und niemand sonst. Alle anderen Schweine wissen: für uns gibt es in der Futterbox nichts zu holen. Hildegard kann stressfrei futtern. Genauso viel, wie der Computer für richtig hält.
Das Ziel der Wissenschaft: Schweine kämpfen in Zukunft nicht mehr um das Futter. Jedes Schwein bekommt genauso viel, wie es braucht – ohne Verluste. Der Stress vor dem Weg in das Schlachthaus nimmt ab. Schweine werden friedlicher. Verletzungen werden seltener. Und die Schweinezüchter brauchen weniger Medikamente und Tierärzte.
Das ganze System funktioniert, weil Schweine relativ intelligent sind. Sie können sich ihre Namen merken, wenn sie richtig dressiert sind. Sie begreifen – unterschiedlich schnell – dass es nichts bringt, wenn man andere vom Futtertrog verdrängt.

work, 10.05.2012