In den Bergen herrscht Aufregung. Weil die Zweitwohnungsinitiative von Franz und Vera Weber angenommen wurde. Die Mehrheit der Bergbevölkerung hat Angst vor der nahen Zukunft. Eine starke Minderheit freut sich über diesen längst fälligen Marschhalt.
Die Baumeister und Immobilienhändlerinnen befürchten den Verlust von 10 000 Arbeitsplätzen auf dem Bau. Viele Gegner glauben, das Gegenteil werde eintreffen. Nur eines ist sicher: Vieles wird sich innerhalb kurzer Zeit verändern. Und noch mehr hängt davon ab, wie das Parlament die Initiative umsetzt. Und ob das Volk allenfalls das Referendum ergreift. Mitdenken lohnt sich. Mitglieder der Unia arbeiten auf dem Bau und im Tourismus. Sie haben ein Interesse daran, dass die Umsetzung der Initiative Weber ein Erfolg wird. Auch für sie.
Vor der Abstimmung waren die Gewerkschaften, die Linken und die grossen Umweltorganisationen etwas mundfaul. Wie fast alle anderen hatten auch sie die Chancen dieser Initiative unterschätzt. Und sich wenig Gedanken gemacht. Der Bau ist deshalb in der von Bundesrätin Doris Leuthard geschaffenen Arbeitsgruppe zur Umsetzung der Initiative nicht vertreten – und dies gilt sowohl für die Unternehmer wie die Gewerkschaften. Genauso wenig wie der Tourismus. Trotzdem lohnt sich das Mitdenken:
> Baustein 1: Die Bündner SP-Nationalrätin Silva Semadeni fordert mehr Kredite für die Hotellerie in den betroffenen Regionen. Weil Hotels nicht mehr in Zweitwohnungen umgebaut werden können, wenn sie nicht rentieren. Weil Hotels nicht mehr über den Verkauf von Zweitwohnungen finanziert werden können. Und weil sich die Banken deshalb zieren.
> Baustein 2: Viele Zweitwohnungsbauten aus den 1960er Jahren gammeln vor sich hin. Vielerorts erinnern sie uns an Slums. Nicht benutzte, eiskalte Betten verbrauchen trotzdem viel Energie. Weil sonst das Wasser in den Rohren gefriert. Diese Wohnungen müssen endlich saniert werden, auch energetisch. Oder abgerissen werden, um neuen, architektonisch schönen Plus-Energie-Wohnungen Platz zu machen. Unter dem Strich darf es nicht mehr Zweitwohnungen geben, aber diese müssen umweltfreundlicher und schöner werden.
> Baustein 3: Viele im Tourismus Beschäftigte pendeln heute. Im Wallis leben die Angestellten von Zermatt in Täsch, weil sie in Zermatt keine Wohnung finden. Und schon gar nicht eine bezahlbare. Deshalb hat Täsch die Initiative Weber angenommen. Ein möglicher Ausweg: Eine nationale, tripartite Genossenschaft (Arbeitgeber, Arbeitnehmer, öffentliche Hand) müsste gut gelegene, ältere Zweitwohnungen günstig aufkaufen, sanieren und als Erstwohnungen vermieten. Damit das Pendeln in den Alpen aufhört. Anstelle der real nicht mehr existierenden Zweitwohnungen müssten die bisherigen Eigentümer neue Plus-Energie- Zweitwohnungen bauen dürfen, damit sie die alten günstig verkaufen.
> Baustein 4: Übernachtungen schaffen Arbeitsplätze. Höhere Auslastung führt zu tieferen Preisen für Ferien in den Alpen. Beides ist gewünscht. Deshalb sollten Gemeinden neu die Möglichkeit erhalten, Zweitwohnungsbesitzer zu zwingen, pro zwei Betten ein übertragbares Abonnement der Bergbahnen zu übernehmen. Damit endlich mehr Wohnungen vermietet werden.
Die Gewerkschaften haben ein Interesse an mehr und besseren Arbeitsplätzen auf dem Bau und im Tourismus. Dies ist mit der Initiative Weber machbar. Für eine rosa Zukunft in den Alpen.


www.residences-secondaires.ch, http://goo.gl/vIWiw und http://goo.gl/9yGsC Auf der Website der Zweitwohnungsinitiative sagt das Matterhorn danke. Und warnt vor einer Verwässerung der Initiative. Wie Pierre Chiffelle, Rechtsberater der Fondation Franz Weber. Er sass früher für die SP im Nationalrat und im Waadtländer Staatsrat. Heute wehrt sich zu Recht gegen die Verwässerung des Begriffes der Zweitwohnung. Und droht mit dem Referendum.

http://goo.gl/gNQWr Viele Zweitwohnungen werden heute elektrisch geheizt. Mit neuen Luft-Wärmepumpen kann man aus einer Kilowattstunde Strom 4 Kilowattstunden Wärme machen. Kombiniert mit neuen Fenstern, Energiesparlampen und Kühlschränken kann man den Stromverbrauch auf einen Fünftel reduzieren. Und diesen Fünftel mit Alpensolarstrom decken.

work, 4.04.2012