Selina Schwarz hat vor einem halben Jahr ihre Lehre als Malerin abgeschlossen. Weil sie keine Stelle fand, hat sie sich für eine Saison in den Bündner Bergen entschieden: Sie bedient seit Dezember die Kasse eines Selbstbedienungsrestaurants. Ihr Arbeitsvertrag ist befristet bis Ende April. Die Stelle gefällt Schwarz aber überhaupt nicht, und sie möchte kündigen. Nur: Auf wann? Denn im Arbeitsvertrag fi ndet sie keine Kündigungsfrist. Im Arbeitsverhältnis steht einzig, dass er ohne Kündigung am 30. April endet. Ähnlich ergeht es Claudia Erismann. Sie ist Praktikantin bei einer Bank und hat einen auf ein Jahr befristeten Vertrag. Schon nach vier Monaten hat sie aber anderswo eine feste Stelle gefunden und möchte wechseln.

SPEZIELL. Befristete Arbeitsverträge sind etwas Besonderes: Sie werden über eine bestimmte Dauer (vier Monate), für einen bestimmten Zweck (Weinlese, Messe), auf ein bestimmtes Datum oder eine bestimmte Zeitspanne (Saison, Ferien, bestimmte Aufgabe) abgeschlossen.
˜>Es gibt keine Probezeit, ausser es wurde so verabredet.
˜>Eine fristlose Kündigung ist nur aus sogenannt wichtigen Gründen möglich: wenn der Vertrag schwerwiegend verletzt wurde. Zum Beispiel durch Gefährdung der Gesundheit.
˜>Es gibt keinen Kündigungsschutz. Wenn Ihr Vertrag endet, müssen Sie gehen, selbst wenn Sie schwanger oder krank sind.

VORAB REGELN. Schwarz und Erismann haben also nur eine einzige Chance, früher zu gehen: Sie müssen sich mit ihren Vorgesetzten einigen. Am besten fragen Sie deshalb noch vor der Vertragsunterzeichnung, ob eine Probezeit und eine Kündigungsfrist vorgesehen seien. Und bitten Sie, vor allem bei langen Fristen, Ihre künftigen Vorgesetzten, Probezeit und Kündigung in den Vertrag aufzunehmen. Das ist oft auch in deren Sinne: Betriebe haben meist kein Interesse an Arbeitnehmenden, die lieber heute gingen als morgen. Mit Probezeit und Kündigungsfrist ist Ihr Vertrag dann kein befristeter mehr, sondern einer mit Maximaldauer.
Besonders an befristeten Verträgen ist auch: Wenn Sie nach Ablauf Ihres befristeten Arbeitsverhältnisses am selben Ort weiterarbeiten, ohne dass sich etwas ändert, dann gilt Ihr befristeter Vertrag automatisch als unbefristeter. Und der müsste dann mit ordentlichen Kündigungsfristen aufgelöst werden. Wenn Ihnen allerdings nach Ende des Vertrags einfach ein neuer, genauso befristeter angeboten wird, kann es sich um einen unzulässigen Kettenarbeitsvertrag handeln. Das ist dann der Fall, wenn Sie beispielsweise auch unter dem Folgevertrag genau dieselbe Aufgabe erfüllen müssen. Illegal sind solche Kettenverträge auch, wenn Firmen Schutzbestimmungen aushebeln: etwa zu Kündigungsschutz und Sozialversicherungen.
Befristete Verträge müssen übrigens für beide Seiten gelten: Ein Vertrag, bei dem Ihre Firma Sie vorzeitig entlassen darf, Sie selbst aber nicht vor Vertragsende kündigen dürfen, ist nicht zulässig.

work, 1.03.2012