An meiner letzten Stelle war ich über sieben Monate zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Verdient habe ich im Schnitt 5500 Franken pro Monat. Auf Ende 2011 wurde mir gekündigt. Seit dem 1. Januar beziehe ich Arbeitslosenentschädigung. In der Abrechnung sind 2750 Franken als versicherter Verdienst aufgeführt. Bei der ersten Auszahlung der Arbeitslosenkasse wurden mir 10 allgemeine Wartetage abgezogen. Ich habe aber gelesen, dass Kinderlosen mit einem versicherten Verdienst unter 3000 Franken keine Tage abgezogen werden dürfen. Hat die Kasse recht? Spielt es dabei eine Rolle, dass ich weiterhin zu 50 Prozent arbeitsunfähig bin und Taggelder von der Krankentaggeldversicherung beziehe?

MICHAEL SCHWEITZER: Ja, die Kasse hat recht. Grundsätzlich gilt, dass sich die Wartetage nach dem versicherten Verdienst und der Unterhaltspfl icht gegenüber Kindern richten. Verdient man weniger als 3000 Franken, muss man keine Wartetage in Kauf nehmen. Der Verdienst wird jedoch aufgrund des zuletzt erzielten Einkommens ermittelt. In Ihrem Fall betrug dieser 5500 Franken. Das ist die Basis für die Berechnung der Wartetage. Dass Sie jetzt zu fünfzig Prozent arbeitsunfähig sind und dafür Krankentaggelder beziehen, spielt für die Berechnung der Wartetage jedoch keine Rolle. Gemäss Arbeitslosenversicherungsgesetz muss die Kasse Ihren Vermittlungsgrad der Arbeitsfähigkeit anpassen. In Ihrem Fall also fünfzig Prozent. Daher kommt der Verdienst von 2750 Franken auf Ihrer Abrechnung. Da Sie ausserdem keine Unterhaltspfl icht gegenüber Kindern haben, müssen Sie bei einem versicherten Verdienst von 5500 Franken die zehn allgemeinen Wartetage in Kauf nehmen. Die Abrechnung der Arbeitslosenkasse ist korrekt.

work, 1.03.2012