Der Euro schwächelt. Und die Schweizer Exportwirtschaft klagt: Der teure Franken frisst den Gewinn weg. Das bringt einige Unternehmen wie die Emmentaler Verpackungsfirma Mopac auf absurde Lösungen. Bereits im Februar, als der Euro noch zwischen 1.25 und 1.30 Franken kostete, wollte der Chef von Mopac, Rainer Füchslin, Löhne, die Löhne um 10 Prozent kürzen.
Löhne, die bereits extrem niedrig waren: Packerinnen und Packer in Schichtarbeit verdienten pro Monat um die 3000 Franken. Firmenchef Füchslin setzte einen Monat später noch einen drauf. Er schrieb an die Belegschaft: «Wir sind gezwungen, Ihren aktuellen Monatslohn entsprechend der Eurokursentwicklung zu kürzen.»
Darf die Firmenleitung den Lohn einfach so kürzen? Nein, das darf sie nicht. So wie Sie nicht einfach einseitig beschliessen können, ab sofort nur noch vier statt fünf Tage zu arbeiten, so dürfen Ihre Vorgesetzten Ihren Lohn nicht einfach reduzieren. Aber: Wenn beide Seiten damit einverstanden sind, ist jede Veränderung möglich.
Oft machen Betriebe Druck, drohen mit Entlassungen. Lassen Sie sich davon nicht abschrecken. Unterschreiben Sie niemals sofort, auch wenn der Druck noch so gross ist. Eine unterzeichnete Vereinbarung kann nämlich kaum angefochten werden.
Die Firma muss Ihren alten Vertrag kündigen und Ihnen einen neuen vorlegen. Das nennt sich Änderungskündigung. Damit müssen aber auch die üblichen Kündigungsfristen eingehalten werden. Erst danach können die schlechteren Bedingungen durchgesetzt werden.

DAS GILT BEI ÄNDERUNGSKÜNDIGUNGEN:
˜>Erkundigen Sie sich nach einem Gesamtarbeitsvertrag GAV. Sind darin Mindestlöhne vorgesehen, dürfen sie auch bei Änderungskündigungen nicht unterschritten werden.
˜>Fragen Sie in Ihrem Unia- Sekretariat nach, ob die schlechteren Bedingungen nach dem Obligationenrecht zulässig sind.
˜>Wenn Sie entlassen werden, weil Sie keine schlechteren Bedingungen akzeptieren wollten, können Sie wegen missbräuchlicher Kündigung klagen. Melden Sie sich bei der Unia.
˜>Sind Sie krank, schwanger oder im Militärdienst? Der Kündigungsschutz bleibt auch bei Änderungskündigungen gültig.
˜>Wenn Ihre Vorgesetzten keine sachliche Begründung für die Verschlechterung Ihrer Arbeitsbedingungen haben, kann eine Änderungskündigung missbräuchlich sein. Das hat das Bundesgericht entschieden. Den Beweis dafür müssen aber die Angestellten erbringen.
Im Falle der Mopac sieht es übrigens so aus: Der grösste Teil der Belegschaft hat Füchslins Änderungskündigung unterschrieben. Die Unia und ein Teil der Angestellten aber haben wegen missbräuchlicher Kündigung geklagt. Die erste Schlichtungsverhandlung ist auf Ende August festgesetzt.

work, 8.02.2012