Der Zweite Weltkrieg dauerte fünfeinhalb Jahre. Der Krieg in Afghanistan geht ins neunte Jahr. Friedensnobelpreisträger Barack Obama will jetzt die Zahl der US-Truppen erhöhen. Um in zwei Jahren mit dem Abzug zu beginnen. Angeblich. In Deutschland haben die Grünen – die einstige Friedenspartei – diesen Krieg mehrheitlich unterstützt. Löbliche Ausnahmen wie der Abgeordnete Hans-Christian Ströbele wurden an den Rand gedrängt. Trotzdem waren und sind über 60 Prozent der Deutschen gegen diesen Krieg. Nach dem Massaker von Kundus werden es noch mehr sein: Die Taliban hatten zwei Tanklaster mit Benzin entführt. Diese blieben in einer Sandbank stecken. Dorfbewohner eilten mit Kanistern herbei, um für sich Sprit zu holen. Amerikanische Bomberpiloten wollten mit Tiefflügen die Zivilisten vertreiben. Die Deutschen verlangten erfolg- und folgenreich die sofortige Bombardierung. Die Vertuschung dieser Morde fliegt jetzt verspätet und in Raten auf. Das Resultat des Afghanistankrieges: das Land ist zerstört. Die Demokratie eine Farce. Die Taliban kontrollieren immer grössere Teile des Landes. 90 Prozent der weltweiten Opiumproduktion stammen aus Afghanistan.
Afghanistan ist kein Staat, sondern eine Ansammlung von kriegserprobten Stämmen. Deren Clan-Chefs leben heute von Opium- und Bestechungsgeldern. Wer ihnen keine Alternativen bietet, wird spätestens in einigen Jahren so kläglich abziehen wie die Amerikaner aus Vietnam.
POTENTIAL. Kandahar hiess einst die beste Skibindung. Und der beste Schweizer Winterschuh. Die steilste Piste Mürrens trägt diesen Namen. Und westlich von Kandahar pfeift der Wind. Hier befindet sich an der Grenze zu Iran in der Provinz Farah eines der windreichsten Gebiete der Erde. Mit der gleichen Windturbine kann man in der Heimat Zarathustras pro Jahr drei bis fünf Mal so viel Strom produzieren wie auf dem Gütsch im Kanton Uri. Und der kostengünstige Transport von Strom über lange Strecken ist dank Schweizer ABB-Technik kein wirkliches Problem mehr.
Deutschland hat über die Einspeisevergütung mit schon geleisteten und noch zu leistenden Subventionen von total 75 Milliarden Franken die Photovoltaik fast wettbewerbsfähig gemacht. So viel stecken die USA jedes Jahr in den Afghanistankrieg. Mit der Hälfte dieses Betrages könnte man westlich von Kandahar mehr Strom produzieren, als die Atommacht Pakistan im Jahr verbraucht.
Die afghanischen Warlords könnten ihr Geld neu mit dem Bau, der Bewachung und dem Unterhalt von Windkraftwerken verdienen statt mit dem Anbau und Schmuggel von Opium. Statt weissem Schnee neu grünem Strom. Aus Drogen- würden Stromdealer. Doch tatsächlich denkt niemand auch nur im Traum daran, in die Zukunft statt in die Vernichtung zu investieren. Denn in Afghanistan geht es – wie im Irak – um die Sicherung der Reserven des fossilen Kapitalismus in der alles entscheidenden Weltregion.
http://3.ly/worknzz Mahmut Garejew ist 86 Jahre alt. Und Leiter der Akademie der Militärwissenschaften in Moskau. Der Muslim wuchs in Usbekistan auf. Er kennt den Hindukusch wie seinen Hosensack. In seinen Augen machen die USA heute die gleichen Fehler wie einst die Sowjets. Ein «NZZ»-Interview erster Güte.
http://3.ly/workbild Dieses Video belegt, wie Luftkrieg heute funktioniert: Die Tanklastwagen auf der Sandbank. Die Menschen als wandelnde Punkte in der Nacht. Amerikanische Bomberpiloten mit Bedenken gegen einen Einsatz. Und der deutsche Befehl zum Töten von Zivilisten. Wer – ausser den Amerikanern – kann das Video der deutschen «Bild»-Zeitung zugesteckt haben?
http://3.ly/workwk, http://sesa.af und http://3.ly/worksm An wenigen Orten auf der Erde pfeift der Wind das ganze Jahr über regelmässiger und stärker als im Westen Afghanistans. Würde man dort an bester Lage pro km2 5 MW Windkraft produzieren, könnte man im Jahr mehr Strom produzieren als 80 Atomkraftwerke vom Typ Gösgen. Unternehmen wie Sesa und Entwicklungshilfeorganisationen bauen bereits kleine Wind- und Solarkraftwerke.
http://3.ly/workabb Heute kann man – dank ABB-Technologie – grosse Mengen Strom mit Hochspannungs-Gleichstromkabeln nahezu verlustfrei über Tausende von Kilometern transportieren.
work, 17.12.2009


Zurück

