«Die Gier hat so viel kaputtgemacht. Aber langsam wird den Leuten bewusst, was noch alles auf sie zukommt. Ich arbeite bei Stettler Sapphire in Lyss. Wir sind 180 Beschäftigte und machen vor allem Uhrengläser aus synthetischem Saphir. Ende März hat unser Chef noch erklärt, dass er Kurzarbeit vermeiden will. Doch jetzt trifft es auch uns.

KURZARBEIT. Ab August geht auch unser Betrieb auf Kurzarbeit. Das werden wir alle merken. Einige von uns verlieren bis zu 400 Franken im Monat. Jetzt hintersinnen sich die Leute. Weil sie spüren, dass es um uns geht. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass viele nach Bern zur Demonstration kommen. Und das muss auch sein. Denn die Gegenseite wird genau zählen wie viele wir sind. Dass der Ständerat nicht mal die Gehälter und Boni der Manager begrenzen wollte, ist wirklich unmöglich. Wenn du bei uns in der Firma so einen Seich wie diese Typen machst, musst du gehen, dann kriegst du nicht auch noch einen Bonus. Und dann reden die Banker davon, dass sie ohne Bonus ihren Standard nicht mehr halten können. Da kann ich nur sagen: Hallo, wir einfache Leute müssen schauen, wie wir jeden Monat die Krankenkasse bezahlen können.

VIELE HABEN ANGST. Solche politischen Themen sprechen wir auch in der Personalkommission an, deren Präsidentin ich bin. Wir bemühen uns darum, unsere Leute politisch anzuregen. Die meisten lassen sich viel zu schnell einschüchtern, auch jetzt wieder. Zum Beispiel haben ja nicht nur die Reichen, sondern auch viele von uns bei den Banken Geld verloren. Darüber redet aber keiner. In der Personalkommission haben wir uns darum gekümmert, welche Bank unser Erspartes am besten garantiert. Wir haben herausgefunden, dass es die Kantonalbank ist, und wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen darüber informiert.
In der Unia Biel-Seeland bin ich Co- Präsidentin. Im Moment gibt es hier im Seeland laufend Gewerkschaftsaktionen. Jede Branche will etwas gegen die Krise unternehmen. Wir haben hier auch schon bald 4 Prozent Arbeitslose. Jetzt müssen wir uns aber über Schwerpunkte einigen. Und ein Schwerpunkt muss die grosse Demonstration im September sein. Die Leute erwarten von der Unia, dass wir die Demonstration gut vorbereiten und dass sie ein Erfolg wird.»

work, 18.06.2009