Am 9. Oktober 2008 erklärte Bundesrat Pascal Couchepin der «Tagesschau »: Der Bundesrat habe alles im Griff. Massnahmen in Sachen Finanzkrise seinen nicht notwendig. «Warum soll man pumpen, wenn es nicht nötig ist?» Es kam alles anders.
ENERGIE BEI BEDARF. Sonnen- und Windenergie fallen unregelmässig an. Untersuchungen zeigen: Je grösser ein europäisches Netz wird, desto kleiner werden die Differenzen zwischen Angebot und Nachfrage. Trotzdem braucht es Regelenergie, die immer dann in das Netz gespeist werden kann, wenn Bedarf besteht. Viele Lösungsansätze stehen im Raum: der Bau von dezentralen Kraft-Wärme- Kopplungsanlagen; die Nutzung von bestehenden Salzkavernen als Luftspeicher; der Ausbau bestehender Wasserkraftspeicher zu Pumpspeicherkraftwerken; die Speicherung eines Teils der Energie thermischer Solarkraftwerke in grossen Ölspeichern. Einige hoffen auf einen Durchbruch bei der Batterietechnologie.
Für SP-Nationalrat und Energiespezialist Rudolf Rechsteiner sind Pumpspeicherwerke die zurzeit effizienteste Art, um kurzfristig Strom aus dem Netz zu saugen oder ins Netz zu blasen.
BEISPIEL SÜDTIROL. In Südtirol will das Kärntner Energieunternehmen Kelag AG ab nächstem Jahr das modernste unterirdische Pumpspeicherkraftwerk Europas bauen. Es soll bereits 2015 in das Netz gehen. Die Eckdaten:
> Alle Anlagen werden unterirdisch erstellt. Von aussen sind nur zwei Eingänge zu zwei grossen Kavernen sichtbar. Zwischen diesen beiden Kavernen wird das Wasser hinauf- und hinuntergepumpt.
> Die installierte Leistung dieser Anlage soll 250 MW betragen. Pro Stunde kann man 250000 Kilowattstunden ins Netz blasen. Oder 300000 Kilowattstunden aus dem Netz saugen. Warum die Differenz? Wegen der Energieverluste.
> Die Kavernen sollen je 600000 Kubikmeter gross sein. Der gesamte Felsausbruch wird – wegen der Auflockerung – über 2 Millionen Kubikmeter ausmachen. Die Höhendifferenz zwischen der oberen und unteren Kaverne beträgt 900 Meter.
> Wenn man pro Jahr 3000 Stunden pumpt und 3000 Stunden turbiniert, kann man aus 870 Millionen Kilowattstunden Überschussstrom 750 Millionen Kilowattstunden Spitzenstrom machen.
> Die Investition soll 300 Millionen Euro kosten. In der Endabrechnung wird das Werk – wegen der obligaten Kostenüberschreitungen – sicher 500 Millionen kosten. Vorausgesetzt, es wird realisiert.
Sicher ist eines: In jedem Szenario künftiger Energieversorgung muss man Energie speichern können. Unsicher bleibt: Welche Techniken werden sich neben der intelligenten Steuerung der Geräte und der Netze durchsetzen? Vielleicht machen unterirdische Kavernen-Pumpspeicherwerke das Rennen.
http://tinyurl.com/workcp FDP-Bundesrat Couchepin wurde am 5. April 67 Jahre alt. Seit elf Jahren ist er Bundesrat. Richtig Deutsch hat er in dieser Zeit nicht gelernt. Kurz nach dem - 9. Oktober 2008 musste der Bundesrat mittels Kriegsrecht Geld in die Grossbank UBS pumpen.
http://tinyurl.com/workwe und http://tinyurl.com/workri Die WEB Windenergie AG hat – wenn sie selber ihre Verdienste nicht in ein zu gutes Licht stellt – der Kärntner Kelag AG die Realisierung des Projekts Ritten vorgeschlagen.
http://tinyurl.com/workkel In der Schweiz sind bisher die allermeisten Versuche, Stromproduzenten zu privatisieren oder ins Ausland zu verkaufen, an der Urne gescheitert. Zuletzt in Thun. Bei der Kärntner Kelag hat die deutsche RWE einen Anteil von etwas mehr als 30 Prozent. Raser Jörg Haider war ein Ausverkäufer seiner Heimat.
http://tinyurl.com/workst und http://tinyurl.com/workrit Die Südtiroler Grünen stellen kritische Fragen zum ersten vollkommen unterirdischen Pumpspeicherkraftwerk in der Gemeinde Ritten. Wo sollen die 2,4 Millionen Kubikmeter Ausbruch gelagert werden? Braucht ein solches Werk nicht billigen Atomstrom? Möglicherweise ein Denkfehler: Windkraft und Solarstrom werden in wenigen Jahren günstigeren Strom produzieren als neue Atomkraftwerke.
work, 16.04.2009


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