Trocknet Europa wegen der Klimaerwärmung aus? Zeitweise ja. Zeitweise nein. Wasser wird zu einer zentralen Ressource. Wer sich an der Debatte beteiligen will, muss sich einige wichtige Fakten merken.

ERSTENS: In trockenen Sommern stammt schon heute die Hälfte des Wassers des Rheins, welches das Meer erreicht, aus den Alpen. Wegen des Schmelzens der Gletscher entsteht ein neues Ungleichgewicht. Wegen der Klimaerwärmung droht Deutschland zu versteppen und der Rhein im Hochsommer auszutrocknen.

ZWEITENS: Alle Schweizer Stauseen zusammen weisen ein Speichervolumen von 4 Milliarden Kubikmetern auf. Allein der etwas abgelegene Brienzersee hat ein grösseres Wasser- und somit Speichervolumen. Er ist deshalb möglicherweise die natürliche Wasserlunge Europas. Klimatische Veränderungen verlangen neue Lösungen. Der Schlüssel für die Zukunft des Rheins liegt – wenn es denn eine geben soll – zwischen Interlaken Ost und Brienzwiler West. Die wirtschaftliche Aktivität in diesem Raum ist bescheiden. Selbst touristisch ist nicht allzu viel los. Das Konzept EU-Wasserlunge Berner Oberland in einer ersten Grobannäherung: Der Brienzersee wird bei Wassernot in Europa halbleer gepumpt. Vier Monate lang kann in europäischen Dürreperioden das schöne Berner Oberland dem Vater Rhein pro Sekunde 400 Kubikmeter frisches und sauberes Wasser liefern, und zwar dank Stollen zu Thuner- und Vierwaldstättersee via Aare oder via Reuss. Sobald Niederschläge einsetzen, wird der Brienzersee dank den Zulaufstollen aus dem Thuner- und dem Vierwaldstättersee schnell wieder aufgefüllt. Um kurz darauf den Wasserhaushalt des Rheins wieder mittels Frischwasser regulieren zu können. Pro Kubikmeter geliefertes Wasser erhalten die Bezirke Interlaken und Oberhasli von den Anrainerstaaten des Rheins 30 Rappen. Als Wasserzins. Das ergäbe pro Jahr Einnahmen von durchschnittlich 600 Millionen Franken. Die 20 000 Berner Oberländerinnen und Oberländer östlich von Interlaken könnten zu den reichsten Wasserscheichs Europas werden. Offen ist die Frage, ob sie diese Chance nutzen werden. Vieles spricht dagegen. Denn die Berner mögen es trotz galoppierender Klimaerwärmung «nume nid gschprängt».


www.bund.net/lab/reddot2/energiepolitik_5719.htm Atomkraftwerke heizen die Flüsse auf. Deshalb müssen die Atommeiler entlang dem Rhein schon jetzt in heissen Sommern ihre Leistung reduzieren. Weil immer mehr Gletscher sterben, müssen künftig Atomkraftwerke absehbar sogar abgestellt werden. Von Versorgungssicherheit somit keine Spur. Warum Moritz Leuenberger neu auf Atomkraftwerke setzt, bleibt sein Geheimnis. Traurig, aber wahr: Kaltes Brienzerseewasser würde auch den Betrieb der Atomkraftwerke sicherstellen.

www.jungfrau-zeitung.ch/artikel/?cq_*809b4930=ivxPU=87988y76%26wizdviPU=879899sx Das Berner Oberland hat strukturelle Probleme. Der Militärflugplatz Meiringen macht zu viel Lärm. Der Mystery Park ist geschlossen und steht vor dem Aus. Dubai lebt von den Petro-Dollars. Vielleicht das Berner Oberland bald einmal von Wasser-Euros.

www.einfachlesen.ch/pdf/hoch1999.pdf und www.matte.ch/hochwasser05.htm Das Mattequartier in Bern steht regelmässig unter Wasser. Die Betroffenen haben ihre Erfahrungen dokumentiert und in Buchform verarbeitet. Mit den Überschwemmungen wäre Schluss, wenn bei Hochwasser der Thunersee über einen Stollen Richtung Brienzersee abfliessen würde. Der Berner Stadtpräsident Alex Tschäppät könnte aufatmen.

www.titanic-magazin.de/newsticker.html Österreich hat die Schweiz beim realen Pro-Kopf-Einkommen überholt. Österreicherwitze zu reissen, ist uns vergangen. Selbst der «Nebelspalter» ist nicht einmal mehr ein Schatten seiner selbst. Anders das deutsche Satireblatt «Titanic». Satire und Ironie fördern den Erkenntnisgewinn. Das Überprüfen der Fakten dieser Kolumne ebenfalls.

work, 25.01.2007