Sie hängen überall, die bedrohlichen Plakate der SVP «Gegen Masseneinwanderung ». Die rot-schwarz-weiss gehaltenen Affi chen sprechen eine eindeutige SVPSprache: Die Schweiz wird überrannt von düsteren Gesichtslosen mit schwarzen, schweren Schuhen. Das Böse kommt aus dem Ausland und trampelt uns nieder, so die Botschaft der SVP.

KONTINGENTE GEFORDERT Die Ausländerinnen und Ausländer sind für die SVP an allem schuld. Sie würden uns die Arbeit wegnehmen, besetzten Wohnungen, verstopften Strassen und Eisenbahnzüge. Darum gehörten ausländische Arbeitskräfte künftig wieder kontingentiert. Wir sollen nur jene holen, die nützen. Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit oder Verkehrskollaps sind Pro bleme. Doch die Ursachen liegen bei falscher Raum planung, verfehlter Wirtschaftspolitik oder verkehrter Verkehrspolitik – die SVP politisiert schlicht an der Realität vorbei. Denn Realität ist, dass die Schweiz ohne ausländische Arbeitskräfte nicht existieren könnte. Es gäbe kein Baugewerbe, keine Forschung, keine Schokolade.
>KEIN BAU: Ohne Ausländer würde auf den hiesigen Baustellen nichts gehen. 69 Prozent aller Bauarbeiter haben keinen Schweizer Pass. Im Tessin sind es gar über 90 Prozent. Es sind vor allem Portugiesen, Italiener und Arbeiter aus Südosteuropa, die die Schweiz bauen.
>KEIN GESUNDHEITSWESEN: Aus den Spitälern und Pflegeheimen sind Mitarbeitende ohne Schweizer Pass nicht mehr wegzudenken. Über 40 Prozent des Pflegepersonals haben keinen Schweizer Pass. An den Unispitälern Lausanne und Genf liegt ihr Anteil bei über 50 Prozent. Und: Drei von vier neuen Ärztinnen und Ärzte stammen aus dem Ausland.
>KEINE FORSCHUNG: Ohne Migrantinnen und Migranten wäre die Schweiz nur halb so innovativ. Mehr als 60 Prozent der Forscherinnen und Forscher bei den grossen Schweizer Pharmaunternehmen haben keinen Schweizer Pass. >KEIN FUSSBALL: Ohne Migranten wären die Fussballspiele in der Schweiz nur halb so attraktiv: 32 Prozent aller lizenzierten Fussballspieler haben keinen Schweizer Pass. In der Super League sind gar 60 Prozent der Spieler nicht in der Schweiz geboren.
>KEINE SCHOKOLADE: Ohne ausländische Arbeitskräfte würde in Schweizer Schokoladefabriken keine Schoggi hergestellt: Bei den grossen Schokoladeherstellern arbeiten mehrheitlich Migrantinnen und Migranten. Zum Beispiel bei Lindt & Sprüngli haben 64 Prozent der Beschäftigten in der Schokoladenproduktion keinen Schweizer Pass.
Ohne Einwanderung keine Schweiz. Und zwar nicht nur bei Mülllabfuhr oder Bauhilfsarbeiten, sondern gerade in sehr hochqualifizierten Bereichen wie Pharmaindustrie oder Medizin. Weil die Schweiz bei der Bildung spart und zu wenig Fachkräfte ausbildet. Das zeigt die neue Unia-Kampagne «Ohne uns keine Schweiz» (siehe Text unten).

SVP SCHADET DER WIRTSCHAFT Die SVP behauptet, Ausländerinnen und Ausländer würden unsere Sozialwerke belasten. Richtig ist, dass sie einen Beitrag daran leisten, auf den wir nicht verzichten können. So stammen 26,7 Prozent der AHVBeiträge von Migrantinnen und Migranten, sie beziehen aber nur 17,9 Prozent der Leistungen. Und nur 12 Prozent der Fälle bekommen eine Vollrente.
Auch bei der IV sind sie Nettozahlende: Sie leisten 26,7 Prozent der Beiträge, von den Leistungen bekommen sie nur 25,6 Prozent. Und dies, obwohl sie durch ihre Berufe stärkeren gesundheitlichen Risiken und Unfallgefahren ausgesetzt sind.
Das ist der SVP offenbar egal. Sie kennt nur eine PR-Masche – Fremdenfeindlichkeit. Dafür ist sie bereit, die Personenfreizügigkeit in Frage zu stellen und damit letztlich der Wirtschaft zu schaden.
Darum distanzieren sich jetzt auch SVP-Politiker von der eigenen Partei. Nationalrat und Bahnunternehmer Peter Spuhler fürchtet die Bilateralen I gefährdet und damit den Wirtschaftsstandort Schweiz, wie er im «St. Galler Tagblatt» sagte. Die Folge: In der Schweiz müssten Arbeitsplätze ab gebaut werden.

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UNIA-KAMPAGNE
ZEIGEN SIE FLAGGE!

Zum Ziel der Kampagne sagt Rita Schiavi von der Unia-Geschäftsleitung: «Wir wollen Gegensteuer geben gegen die fremdenfeindlichen und menschenverachtenden Kampagnen rechtspopulistischer Kreise, die das gesellschaftliche Klima vergiften.»

GRATIS. Bis Ende Jahr werden verschiedene Aktionen stattfi nden, zum Beispiel «Flagge zeigen ». Hängen Sie die Fahne «Ohne uns! Stop Fremdenfeindlichkeit » aus Ihrem Fenster. Die Fahne und weiteres Kampagnenmaterial gratis bestellen auf www.ohne-unskeine.ch
Dort gibt
es aus serdem ein iPad zu gewinnen. Geplant sind überdies drei Aktionstage, der erste findet am 8. Oktober statt. Wer sich dort engagieren möchte, melde sich auf dem Sekretariat in seiner Region.

work, 25.08.2011