Die Löhne, die in Gesamtarbeitsverträgen (GAV) festgelegt sind, haben in den letzten zehn Jahren um über 20 Prozent zugenommen. Damit stiegen sie deutlich mehr als die Löhne in den Branchen und Betrieben oder von Beschäftigten, die keinem GAV unterstellt sind.
ZWEI STATISTIKEN. Das Bundesamt für Statistik (BfS) errechnet jedes Jahr zwei wichtige Lohnindikatoren. Da ist einmal der Lohnindex. Er wird aufgrund der Angaben verunfallter Arbeitnehmender erstellt. Er stützt sich auf Hunderttausende von individuellen Lohnangaben aus allen Berufen und Qualifikationsstufen.
Zudem erstellt das BfS eine Statistik über die Lohnerhöhungen in Gesamtarbeitsverträgen. Erfasst werden dabei fast hundert der wichtigsten GAV. In der GAV-Lohnstatistik wird die ausgehandelte Erhöhung der Effektivlöhne (genereller Teil plus vertraglicher individueller Teil) erfasst. Zusätzlich wird auch die Veränderung der Mindestlöhne berechnet, wo es solche gibt. 2009 gab es Lohnverhandlungen in 72 GAV. Ihnen waren 1126300 Arbeitnehmende unterstellt. Das entsprach 35 Prozent aller Lohnabhängigen und ist die höchste Zahl seit 1993. Damals wurde diese Statistik zum ersten Mal erstellt. Trotzdem profitieren 65 Prozent der Arbeitnehmenden nicht direkt von diesen Lohnverhandlungen.
KAMPF UM GAV LOHNT SICH. Die Abteilung Vertragspolitik der Unia hat aus den Statistiken errechnet, um wie viel die GAV-Löhne (Effektivlöhne) in den letzten 10 Jahren angestiegen sind. Und um wie viel jene Löhne, die nicht in GAV ausgehandelt wurden. Nominell (ohne Berücksichtigung der Teuerung) erhielten Angestellte, die einem GAV unterstellt sind, 2009 21,6 Prozent mehr Lohn. Die Löhne der Arbeitnehmenden ohne GAV stiegen im gleichen Zeitraum nur um 15,2 Prozent. Berücksichtigt man die Teuerung, ergibt sich für die GAVLöhne ein Anstieg um 10,8, für die Nicht-GAV-Löhne jedoch nur ein realer Zuwachs von 4,4 Prozent.
Diese Zahlen zeigen: Wer einem Gesamtarbeitsvertrag unterstellt ist, konnte bedeutend mehr vom Wirtschaftswachstum profitieren als Nicht-GAVUnterstellte. Zudem haben die Gewerkschaften über die GAV-Verhandlungen einen bedeutenden Einfluss auf die Lohnbildung. Der Kampf um mehr und bessere GAV lohnt sich.
Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.
work, 3.06.2010


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