Wir kennen ein Dutzend guter
Gründe, am 7. März die Rentensenkung
bachab zu schicken.
Doch ein Grund allein schon
sticht: Die Versicherungskonzerne,
die Banken und Finanzberater
aller Art ziehen Milliarden
aus unserer zweiten Säule. Sie
behaupten ein «Rentenloch» von
600 Millionen. In Wahrheit gibt
es nur die hemmungslose Selbstbedienung
der Finanzer am
Geld, das wir fürs Alter sparen.
Zuerst dachten wir, dass sie
um die 5 Milliarden zur Seite
schaffen. Für Kosten und ihre
Gewinne. Schon das wäre happig.
Mehr als 1400 Franken pro
Kopf. Zwölf Mal mehr, als uns
die AHV kostet.
SCHOCKIERENDE WAHRHEIT
Doch jetzt schält sich die schockierende
Wahrheit heraus: Die
Finanzwirtschaft, die Banken
und Versicherer, die Geldverwalter,
die Fondsmanager und die
ganzen Berater kassieren an die
10 Milliarden von unserem Rentengeld
ab. Jahr um Jahr. Das
Wirtschaftsmagazin «Bilanz» bemass
den Raub auf «8 bis 10 Milliarden
». Knapp 10 Milliarden ergibt
jetzt die Rechnung von
work. Rudolf Strahm, der frühere
Preisüberwacher und Kenner
der Pensionskassen, nennt diese
Zahl gegenüber work «realistisch
».
Würde man den Rentenklau
durch die Geldmanager
auch nur halbieren, könnten
wir alle weit über 90 Jahre alt
werden – ohne Rentensenkung.
Wie viel Geld die 10 Milliarden
sind, wird klar, wenn wir sie
mit den Auszahlungen der beruflichen
Vorsorge vergleichen:
Knapp 28 Milliarden bekommen
die Rentnerinnen und
Rentner aus der zweiten Säule,
alles inbegriffen.
Die Pensionskassen haben
zuletzt 48 Milliarden Beiträge
eingenommen, also 20 Milliarden
mehr, als sie für Renten ausgeben.
Das Problem: Jeder fünfte
Beitragsfranken versickert sofort.
Der Trick: Die wahren Kosten
der zweiten Säule blieben
bisher verborgen. Hier die gesalzene
Rechnung im einzelnen:
FRECHER STUNDENLOHN
Für die Verwaltung unseres
Altersgelds berappen wir 4 Milliarden.
Pensionskassen und
Sammelstiftungen der Versicherungen
und Banken zusammengenommen.
Das ist zu teuer.
Manche Berater nehmen bis zu
500 Franken Stundenlohn. Völlig
aus dem Ruder gelaufen sind
die Anlagekosten. Banken und
Finanzer kassieren dafür, dass
sie das Geld der zweiten Säule
anlegen. Früher kostete das die
Versicherten rund 10 Prozent
vom Ertrag der Anlagen. 2007
waren es schon 19 Prozent.
Dazu kommen 1,3 Milliarden
überhöhte Risikoprämien
der Versicherungskonzerne: Sie
nehmen von den Versicherten
2,15 Milliarden für Versicherungsrisiken.
Ausbezahlen
mussten sie 2008 nur 890 Millionen.
Gewinn: 1325 Millionen.
So viel ist auch in den Berichten
des Bundesamtes für
Sozialversicherung und der Finanzmarktaufsicht
ausgewiesen.
Nur: sie beschönigen die
Realität. Ein riesiger Kostenblock
erscheint nirgendwo. Er
bleibt versteckt. Denn die Finanzer
haben Wege gefunden, den
25000 Stiftungsräten des Landes
Sand in die Augen zu streuen.
Das geht etwa so, dass sie
Courtagen und Prämien für Geschäfte
den Versicherten nicht
als Kosten anrechnen, sondern
vom Wert des Vermögensdepots
der Kasse abziehen. Damit da
auch ein ordentlicher Batzen
zusammenkommt, werden diese
Depots häufig «gedreht»: Die
Bank verkauft Aktien aus dem
Depot und kauft sogleich neue.
Jede Bewegung kostet.
Manche Anlagen sind teurer
als andere. Hedge-Funds und
Dach-Hedge-Funds (also mehrere
Fonds zusammengepackt)
sind die teuersten. Sie haben oft
Gebühren von je 2 Prozent auf
mehreren Stufen.
DOPPELT KASSIERT
Klar, dass viele Banken und Pensionskassenberater
solche Anlagen
mit schönen Versprechungen
fördern. Zahlreiche Berater
im Dienst der Pensionskasse bekommen
für jeden Neuvertrag,
den sie der Bank bringen, Prämien,
sogenannte Retrozessionen.
Der Berater kassiert also
doppelt. Und seine Prämie erscheint
nirgendwo.
Unterm Strich, die Gewinne
der Versicherungskonzerne
aus dem Pensionskassengeschäft
mitgerechnet: 9,7 Milliarden.
Stoppen wir jetzt die Rentensenkung
nicht, klauen uns
die Finanzer bald 12 oder mehr
Milliarden. Darum ist ein Nein
am Sonntag, 7. März, ein erster
Schritt gegen den Rentenklau.
Danach müsste man die
zehn Milliarden, welche die Finanzer
kassieren, auf die Hälfte
abschmelzen. Es wären 5 gewonnene
Milliarden. 5 Milliarden
mehr für künftige Renten.
work, 4.03.2010


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