Hätten wir in der Vergangenheit
auf SVP-Oberst Christoph Blocher
gehört: die AHV wäre heute
futsch. Und noch viel mehr Altersgeld
hätte sich an der Börse in
Luft aufgelöst. Die Fakten:
1998: Die Ideologie des Shareholder-Values boomt. Finanzjongleur
Martin Ebner predigt den Casinokapitalismus
und Eigenrenditen
von 15 bis 20 Prozent. Er will alles
privatisieren, was nicht niet- und
nagelfest ist. Auch die AHV. Und
sein Busen- und Geschäftsfreund
Blocher will ihm dabei helfen. Das
Duo infernale fordert die Abschaffung
der AHV: Die ganze berufliche
Vorsorge soll durch privates
Aktionärssparen ersetzt werden.
Vier Jahre später platzt die ITBlase.
Finanzjongleur Ebner stürzt
an der Börse grausam ab. Und mit
ihm seine Aktiengesellschaften,
die «Visionen». Der Börsenspekulant
zieht rund 30 000 Kleinsparerinnen
und Kleinsparer mit sich
in die Tiefe. Sie waren seinen
Visionen auf den Leim gegangen.
2000: Blocher bläst erneut zum
Sturm auf die AHV. Denn diese
und ihr Umlagerungsverfahren
könnten unsere Renten auf Dauer
nicht sichern, behauptet er. Ganz
anders die privaten Vorsorgeeinrichtungen:
«Die heutigen Pensionskassen
funktionieren, und
die Renten sind gesichert», verkündete
Blocher im Interview mit
dem «Sonntagsblick». Deshalb will
er, dass die Privatisierung der AHV
geprüft wird. Dies, obschon die
Privatversicherer im Schnitt sechs
Mal höhere Verwaltungskosten
pro Person haben als die AHV.
Acht Jahre später schlägt die
Finanzkrise zu. Viele Pensionskassen
geraten in Schieflage. Vor
allem Versicherungen und Banken
haben mit hochspekulativen
Anlagen einen Teil unseres Altersgeldes
in der zweiten Säule verjubelt.
2010: In Abstimmungsinseraten
mit dem Titel «Rettet die Renten!»
fordert Blocher die Senkung des
Umwandlungssatzes in der zweiten
Säule. Also faktisch eine Rentensenkung.
Es gebe keine Alternative
dazu. Die Pensionskassen
könnten unsere Renten sonst
nicht mehr garantieren. So
Blocher.
MAL HÜST, MAL HOTT. Mal können
nur die Pensionskassen unsere
Renten wirklich garantieren. Und
mal wieder nicht. Das ist das
Blocher-Prinzip. Wären wir ihm
gefolgt, so wie die Kleinsparer
Ebners Visionen folgten, wir
wären heute ganz schön im Seich.
Und statt in die Pension könnten
wir auf die Strasse betteln gehen.
NICHT BLÖD.Warum also sollten
wir jetzt mit Blocher Ja sagen zum
Rentenklau? Wir sind doch nicht
blöd! Und viele SVP-Kantonalparteien
auch nicht, sie haben
nämlich die Nein-Parole beschlossen.
Gegen den Willen von Papa
Blocher.
work, 4.02.2010


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