Versicherungen, Banker und Anlageberater wollen uns die Renten kürzen. Schon ab 2011. Weil sie dann einen höheren Teil von unserem Altersgeld für sich als Profit abreissen könnten.
Doch das Referendum macht ihnen die Sache schwer. Am 7. März haben wir es in der Hand, den Rentenraub mit einem Nein an der Urne zu verhindern. Deshalb haben die Versicherer eine Monsterkampagne losgetreten. Deshalb greifen sie zu falschen Zahlen (work berichtete). Deshalb schicken sie ein Jugendkomitee vor. Die Töchter und Söhne aus besserem Hause behaupten: Senken wir die Renten nicht, müssen die Jungen für ein «Rentenloch von 600 Millionen» und mehr bezahlen.

FRECHER TRICK. Zwar ist das Rentenloch längst als Taschenspielertrick enttarnt. Und es ist ziemlich frech von den Finanzern, ein Rentenloch von 600 Millionen zu behaupten, pressen sie doch heute selbst Gebühren und Gewinne in Milliardenhöhe aus dem Rentensystem.
Dennoch baut das Jugendkomitee seine ganze Kampagne auf diese angebliche Ungerechtigkeit zwischen den Generationen. Genauso wie der Unternehmerverband Economiesuisse und die neoliberale Propagandatruppe Avenir Suisse, die dazu sogar einen Comic zeichnen liess. Unia-Co-Präsident Andreas Rieger hat ihn sich zu Gemüte geführt: «Dort demonstrieren die Jungen für einen Umwandlungssatz von 0 Prozent und kämpfen mit dem Slogan ‹Wir bezahlen eure Weltreisen nicht!› gegen die Alten.» Damit schürten die Rentenklauer den Generationenkampf, so Rieger. Das sei «Brandstiftung ».
Auf den ersten Blick könnte die Logik von Economiesuisse manchen jüngeren Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern einleuchten. Denn schliesslich wächst der Anteil der Rentner an der Gesellschaft. Und mit ihrer Zahl die Furcht, dass sie von der Jugend durchgefüttert werden müssten. Doch die Fakten sind klar, wie die Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH ausgerechnet hat: Die Rentenräuber blenden die wachsende Produktivität der Arbeit aus. Sie wächst schneller als die Belastung durch die Altersvorsorge. Die künftigen Renten können leicht finanziert werden – und die Generation, die 2050 in Rente geht, wird auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung haben als ihre Väter und Mütter.

JUNGE BEZIEHEN MEHR. Und wie steht es um die Generationengerechtigkeit? Gerecht ist eine Gesellschaft, wenn die Chancen künftiger Generationen auf die Befriedigung ihrer Bedürfnisse mindestens so gross sind wie die der heutigen Generation. Was sagen die Tatsachen? Die Jüngeren beziehen heute einige Milliarden mehr aus dem Sozialstaat und aus dem Erbe als die Pensionierten (siehe Grafik). Nur eben: Wenige erben fast alles. Das Problem, das die Schweiz hat, besteht nicht zwischen Alt und Jung. Das Problem ist die wachsende Ungleichheit in allen Generationen. Der Rentenraub, wie ihn die Versicherungen und die bürgerlichen Parteien wollen, würde diese Ungleichheit noch verschärfen. Sagen wir also Nein am 7. März.

work, 4.02.2010