work: Ein Jugendkomitee der
Versicherungslobby will die
Renten senken. Ihr Argument:
Die Jungen sollen
nicht für die Alten bezahlen.
Andres Frick :Zuerst sollten die
Jungen bedenken, dass auch sie
weniger Rente bekommen, wenn
die Renten jetzt gesenkt würden.
Sicher. Nur spielt das Jugendkomitee
mit der Angst, dass
die Jungen an Einkommen
verlieren, wenn ihre Generation
für eine wachsende Zahl
von Rentnern aufkommen
muss.
Wir haben bei der Konjunkturforschungsstelle
der ETH für die Zeit
von 2003 bis 2050 durchgerechnet,
wie das aussieht, wenn man bei der
Altersvorsorge keinerlei Abstriche
macht. Künftigen Generationen
steht nach Abzug der Beiträge für
die Altersvorsorge immer noch
mehr Einkommen zur Verfügung.
Selbst unter der sehr pessimistischen
Annahme eines Wirtschaftswachstums
von nur 0,5 Prozent
über mehr als vier Jahrzehnte.
Im schlechtesten Fall gewinnt
die Generation von 2050 drei Prozent
an verfügbarem Einkommen.
Nach Abzug aller Beiträge für die
Altersvorsorge. Bei einem – noch
immer geringen – Wirtschaftswachstum
von 1,5 Prozent nimmt
das verfügbare Einkommen sogar
um 65 Prozent zu!
Das müssen Sie uns erklären:
Die Bevölkerung wird
älter. Die Erwerbstätigen
müssen also für eine wachsende
Zahl von Pensionierten
aufkommen. Das Verhältnis
Verdienende/Rentner
verschlechtert sich.
Das ist richtig.
Also steigt die Belastung für
die Altersvorsorge?
Auch das ist richtig, die relative Belastung
nimmt zu. Wir werden
mehr Franken für die Altersvorsorge
aufbringen müssen, wenn ein
sicheres Leben im Alter nach 40
Jahren Arbeit weiterhin ein Ziel
und ein Recht sein soll. Auch für jene,
die heute noch jung sind.
Also werden künftige Generationen
doch über weniger
freies Einkommen verfügen?
Nein. Sie vergessen das Wichtigste:
Auch die Produktivität wächst. Das
ist entscheidend. Zwar sinkt der
Anteil der Erwerbstätigen an der
Gesamtbevölkerung, aber diese Erwerbstätigen
produzieren immer
mehr. Die Mehrproduktion steigt
schneller als die Mehrbelastung
durch die Altersstruktur der Bevölkerung.
Mixen Sie jetzt diese Faktoren
zusammen und machen Sie dabei
sehr pessimistische Annahmen:
Nur sehr geringe Zunahme der
Produktivität. Kein höherer Beschäftigungsgrad.
Keine bessere
Einkommensverteilung. Eine weiter
wachsende Lebenserwartung.
Geringe Geburtenrate und geringe
Zuwanderung aktiver Arbeitskräfte.
Dann kommen Sie, ohne Verschlechterung
der Renten, noch
immer auf unsere Zahl von mindestens
3 Prozent Wohlstandsgewinn
für die aktive Generation. Die
Jungen gewinnen.
Steigt die Produktivität sogar
um 1,5 Prozent pro Jahr, was ganz
und gar keine unrealistische Annahme
ist, oder steigt die Geburtenrate
oder die Zuwanderung Arbeitender,
werden die künftigen
Generationen sogar sehr viel mehr
Geld zur Verfügung haben als jetzt.
Trotz einer guten Altersvorsorge.
ANDRES FRICK
arbeitet seit vielen
Jahren als Wissenschafter
in der Konjunkturforschungsstelle
(KOF) der ETH.
Die KOF gilt
als Nummer eins
bei Wirtschaftsprognosen.
work, 4.02.2010


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