Die Juso-Zentralsekretärin
Tanja Walliser
freut sich: «Es
läuft super!» Sie
spricht von der
Unterschriftensammlung
für die Initiative
«1:12 gemeinsam für
gerechte Löhne».
«Wir haben jetzt
schon 30000 Unterschriften.
Bis im Oktober
wollen wir unsere
Initiative einreichen
», sagt Walliser.
Die Juso-Initiative
verlangt, dass in allen
Schweizer Unternehmen
der höchste Lohn nur
noch maximal 12 Mal so gross
sein darf wie der tiefste: Kein
oberster Chef darf im Monat also
mehr verdienen als die Angestellten
mit dem tiefsten Lohn in
einem ganzen Jahr. Konkret:
Will Novartis-Boss Daniel Vasella
4 Millionen pro Monat abzocken,
muss er der Novartis-Putzfrau immerhin
einen Monatslohn von
333000 Franken zahlen. Das wäre
nichts als fair, finden viele Leute.
Darum läuft es für die Juso-Initiative
so rund.
BÜRGERLICHE ZITTERN
Gar nicht fair finden viele hingegen
die Senkung der Renten, über
die wir am 7. März abstimmen.
Entsprechend schlecht läuft es
der millionenschweren bürgerlichen
Ja-Kampagne: Das zeigt die
repräsentative Umfrage von Unia
und SGB in aller
Deutlichkeit. «Viele Gewerbetreibende
engagieren sich gegen die
Vorlage», weiss Rudolf Strahm, der
Pensionskassenexperte und ehemalige
Preisüberwacher.
Rechte Politiker bestätigen,
dass es «auch unter bürgerlichen
Leuten grosse Bedenken gegen
diese Rentenkürzung gibt». Mehrere
SVP-Kantonalparteien haben
entgegen der nationalen SVP Nein
beschlossen. So in St. Gallen, in
Obwalden und im Wallis.
Für Strahm ist klar: «Die Vorlage
wird abgelehnt.» An zahlreichen
öffentlichen Auftritten gegen
die Rentenabbauvorlage hat
er festgestellt, dass die Stimmung
im Volk deutlich dagegen ist. Tenor:
Banker und Versicherer kassieren
ihre horrenden Boni trotz
Krise fröhlich weiter, während die
Kleinen einmal mehr zur Kasse gebeten
werden. Das haben jetzt
auch viele rechte Politiker gemerkt:
FDP- und SVP-Leute sagen
öffentliche Auftritte für die Vorlage
immer häufiger ab. Denn sie
fürchten um ihr Ansehen.
BONI-ORGIE GEHT WEITER
Das Ansehen der bürgerlichen Politiker
hat sowieso massiv gelitten.
Obschon die Politik die UBS
mit einer Finanzspritze von 68
Millionen rettete, machten Bundesrat
und Parlament der Grossbank
keine nennenswerten Auflagen
bezüglich Millionenboni oder
Risikospekulationen. Das Resultat:
Ohnmächtig müssen hart
arbeitende Werktätige heute zusehen,
wie die UBS schon wieder
ungehindert Milliardenboni verteilt.
Zu reden geben dürfte dieses
Jahr auch die Credit Suisse (CS).
Bei ihr werden heuer nämlich unverschämte
«Sonderboni» fällig:
Für CS-Präsident Urs Rohner
könnten sich diese auf 8,3 Millionen
Franken belaufen, wenn er sie
einlösen würde. Für CS-Investment-
Chef Paul Calello auf 33 Millionen.
Für CS-Chef Brady Dougan
gar auf bis zu 64 Millionen.
GEFÄHRLICHER MINDER
Schon graut es den bürgerlichen
Verteidigern der Banker-Boni, deren
Parteikassen von Banken und
Versicherungen geäufnet werden,
vor einer weiteren möglichen
Schlappe: Die bereits eingereichte
«Abzocker-Initiative» von Trybol-
Chef Thomas Minder stösst im
Volk ebenfalls auf breite Zustimmung.
Sie will die Festlegung der
Spitzensaläre der Aktionärsversammlung
übertragen. Eine zahme
Forderung und keine Garantie
für kleinere Boni. Doch für FDP
und CVP ist auch das schon zu viel
der Regulierung. Sie bekämpfen
die Minder-Initiative mit einem
zahnlosen «Gegenvorschlag».
Unterschriftenbogen für die Initiative
«1 : 12» gibt es auf www.1-zu-12.ch
work, 4.02.2010


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