Vakuum statt Gas zwischen den Glasscheiben verdoppelt den Dämmwert von Fenstern. Die deutsche Fraunhofer-Gesellschaft will mit ihren Vakuumfenstern in drei Jahren in Serie gehen. Der September war warm. Der Oktober noch wärmer. Die Klimaerwärmung holt uns ein. Bald einmal soll es über das Jahr gesehen durchschnittlich 6 Grad wärmer sein als heute. Wenn wir nicht endlich die Weichen neu stellen. Mit ein Grund: In der Schweiz macht jeder Kanton in Sachen Baunormen, was er will. Vielerorts werden die laschen Vorschriften nicht einmal kontrolliert. Dabei kann man heute Passivenergiehäuser fast so günstig bauen wie traditionelle Wärmeschleudern. EIN TRAUM Während sich politisch wenig bewegt, läuft technisch alles immer besser. Ende Oktober 2006 fand in Düsseldorf die Messe Glasstec statt. Hier werden die neuesten gläsernen Produkte aus aller Welt vorgestellt. Etwa todschicke verleimte Ganzglastreppen. Ein Traum für jeden Architekten, ein Albtraum für jede Putzfrau. Eine Innovation verdient besondere Aufmerksamkeit. Heute kostet ein Quadratmeter Isolierglas rund 100 Franken. Dies bei einem k-Wert (Wärmedämmwert, neuerdings: U-Wert) von 1. Ein Konsortium unter Beteiligung des Fraunhofer-Instituts für Silikatforschung ISC in Würzburg stellte den Prototyp eines revolutionären Fensters vor:
> Zwischen den beiden Glasscheiben befinden sich neu nicht mehr irgendwelche Gase, sondern schlicht und einfach ein Vakuum.
> Damit die beiden Glasscheiben sich wegen des Luftdrucks nicht verbiegen, werden alle 4 Zentimeter hauchdünne Abstandhalter aus Glas eingegossen.
> Und damit diese feinen Spacer das Licht nicht im falschen Spektrum brechen, werden die Schichtdicken und Reflexionsflächen mittels Simulation und Röntgenbeugung im voraus so berechnet, dass die Vakuumfenster den perfekten und ungetrübten Durchblick erlauben. EINE REVOLUTION Die Sensation zum Schluss: Die Vakuumfenster isolieren doppelt so gut wie die besten Isoliergläser. Der U-Wert beträgt nur 0,5. Und mittels Beschichtungen kann entschieden werden, ob die UV-Strahlen das Innere eines Gebäudes erwärmen sollen oder vom Glas reflektiert werden. Für den Kopf des ganzen Projekts, Bernhard Durschang, ist klar: In drei Jahren werden diese Fenster in Serie gehen können. Damit der Markt diese Gläser akzeptiert, dürfen sie pro Quadratmeter nicht mehr als 130 bis 150 Franken kosten. Dieses Ziel sei erreichbar. Sowohl der Heiz- wie der Kühlbedarf von Gebäuden würden dank dieser Revolution drastisch sinken. Die bisherigen Gläser würden vom Markt verschwinden http//www.alpeninitiative.ch Das Beispiel der Alpeninitiative zeigt: Konkrete umweltfreundliche Begehren finden Mehrheiten. Weil Bund und Kantone in Sachen Energiesparen schlafen, müsste man vielleicht vorbeugend eine Volksinitiative starten, die den flächendeckenden Einbau von Vakuumfenstern fordert und fördert. http://www.fraunhofer.de/fhg/press/pi/2006/10/Mediendienst102006Thema6.jsp Der Bund will jährlich 6 Prozent mehr Geld für Bildung und Forschung ausgeben. Spielraum auch für konkrete Projekte, wie sie von den Fraunhofer-Instituten vorangetrieben werden. http://www.minergie.ch/download/Artikel_Alpine_Baukunst.pdf Neu gibt es Minergie-PBauten. Eines der wenigen Passivenergiehäuser wurde kürzlich in Zermatt eingeweiht. http://www.glasstec-online.com Reisen bildet. Wer wissen will, was in der Glasbranche läuft, besucht mit Vorteil Messen wie die Glasstec in Düsseldorf. http://www.dfs.ch In Mörschwil bei St. Gallen produziert der Fenster- und Türenfabrikant Dörig massgeschneiderte Lösungen. Zur Produktpalette gehört auch ein Minergiefenster.




